Workshop: STAR WARS Animation

Wer hat noch nicht davon geträumt, seinen eigenen kleinen Star Wars (Trick-) Film zu drehen? Eine rein rhetorische Frage! Daß dies viel leichter zu bewerkstelligen ist, als sich die meisten vorstellen, soll an einem praktischen Beispiel gezeigt werden. Unten könnt Ihr Euch die vorgestellte Animation runterladen oder nach einer etwas längeren Ladezeit (700 KB) als animated GIF anschauen, dann aber ohne Ton.

Vorweg folgendes: Ihr dürft keinerlei Rechte Dritter verletzen, z. B. aufgrund von Grafiken, Sounds, Musikstücken - verändert hin oder her.
In diesem Workshop wird eines von zwei möglichen Verfahren erläutert: der Legetrick unter Zuhilfenahme einer Videokamera. Die folgenden Techniken gelten auch für 2-D Computerprogramme, die die Alternative darstellen.

Und das braucht Ihr dazu:

-> eine Videokamera, möglichst mit digitalen Effekten ausgestattet
-> möglichst ein Stativ
-> eine Schere
-> Zeichenstift oder Grafikprogramm
-> eine schwarze Tonpappe, min. DIN A 3
-> viel Cola (so an die 10 Liter) und ein präzises Storyboard

Zuerst solltet Ihr Euch Gedanken über die Handlung und die Charaktere machen. An dem Beispiel meines eigenen Trickfilms "Star Race", der auf RTL II gesendet wurde (später mehr dazu), gehen wir Schritt für Schritt alle Punkte der Entstehung durch. Hauptdarsteller meines Films sind ein X-Wing und ein TIE- Fighter. Diese liefern sich eine Verfolgungsjagd. Um zweidimensionalen Grafiken das Fliegen beizubringen, bedient man sich eines Tricks: Man zeichnet die Raumschiffe direkt von vorn und/oder von hinten. Wenn man nun mit der Zoom Funktion der Kamera wegzoomt (verkleinert), erweckt dies den Eindruck, daß sich das Raumschiff vom Betrachter entfernt. Hiefür benötigt man die Rückansicht des Raumschiffs. Umgekehrt funktioniert dies natürlich auch, so daß ein Schiff direkt auf die Kamera zufliegt. Damit diese Illusion nicht zerstört wird, verwendet man am besten schwarzes Tonpapier ohne aufgemalte Sterne als Hintergrund. Ansonsten merkt der Betrachter, daß sich lediglich die Kamera vom Schiff entfernt. Logischerweise muß man auf der Zeichnung alle leeren Flächen schwarz kolorieren (trotz der Möglichkeit transparente Farben einzustellen, wird bei vielen Compi 2-D Animationen genauso verfahren, weil weniger Arbeitsspeicher benötigt wird).

Mit dieser Technik läßt sich z. B. folgender Shoot realisieren, den ich mir vom A-Team abgeguckt habe: Ein TIE-Fighter fliegt frontal auf die Kamera zu, bis das Bild unscharf wird. Dann macht man einen Schnitt. Die darauffolgende Aufnahme ist zu Beginn auch unscharf, bis man erkennt, wie sich die Kehrseite des TIE`s von der Kamera entfernt. So ein Schnitt ist sehr effektvoll und vermittelt einen realistischen Eindruck.
Man muß die Raumschiffe aber nicht nur von vorn/hinten zeichnen. Man kann ihnen auch in der Profil- und Halbprofilansicht zum Fliegen verhelfen. Mit der Kamera schwenkt man z. B. von links
nach rechts an der Zeichnung vorbei. Hier ist es im Gegensatz zu der vorher genannten Technik
sogar von Vorteil, ohne Stativ zu arbeiten. Durch das unvermeidliche Wackeln wird der Eindruck
erzeugt, daß die Kamera den Raumschiffen nicht schnell genug folgen konnte (wie bei der Formel1).
Deshalb sollte man bei Unschärfen des Films nicht losheulen - im Gegenteil.
Um ein richtiges Feuerwerk an Special Effects abbrennen zu können, benötigt Ihr einen Camcorder
mit Digital-Funktionen. Der einfachste Trick ist, den Film im Format 16:9 aufzunehmen, also im Kino
Format mit Balken. Das erzeugt nicht nur eine tolle Atmosphäre, sondern kaschiert auch Unschärfen, schlechte Grafiken usw.
Folgende Digital Funktionen sollte eine gute Kamera besitzen:

Digital Mix:

Überblenden von der zuletzt aufgenommenen Szene auf die nächste. Mit dieser Funktion kann ein sauberes allmähliches Überblenden von der zuletzt aufgenommenen Szene auf die nächste Szene erzielt werden. Na, könnt Ihr Euch denken wofür ich diesen Effekt verwendet habe? Richtig, natürlich um das Star Race Logo und den Text zu Beginn des Films in den unendlichen Weiten des Alls verschwinden zu lassen.

Digital Wipe:

Überblenden von der zuletzt aufgenommenen Szene auf die nächste.Mit dieser Funktion kann ein sauberes Überblenden mit Wischblende von der zuletzt aufgenommenen Szene auf die nächste Szene erzielt werden (von rechts nach links).

Digital Stroboskop:

Mit dieser Funktion werden kontinuierlich ca. 4 Standbilder pro Sekunde aufgenommen (statt 24). Ideal wenn man eine Explosion filmt, weil sie durch den Zeitlupen-Effekt realistischer wirkt. Der Schnitt des Films entfällt glücklicherweise, wenn man eine Szene nach der anderen dreht. Falls eine Aufnahme danebengeht: Band zurückspulen und neu aufnehmen!

Soviel zum Filmen. Aber wie steht`s mit der Vertonung? Hier tritt leider ein Problem auf. Ein normaler Camcorder besitzt nur zwei Tonspuren: die Originalspur und eine zweite zur Nachvertonung. Da Ihr aber wohl kaum in der Lage seid, die Soundeffekte live einzuspielen, bleibt einem nur die zweite Spur. Wenn Ihr nun keinen mehrspurigen Kassettenrekorder besitzt, müßt Ihr Euch zwischen Musik und Soundeffekten entscheiden. Auf einem mehrspurigen Kassettenrekorder braucht Ihr zwei Spuren: eine für Soundeffekte und eine für die Musik. Nach dem Mischen habt Ihr ein Band, das Ihr dann auf die zweite Spur des Camcorders über den Mikrofonanschluß überspielt.

Info zum Trickfilm Star Race - Die Sendung "Bitte Lächeln Spezial" suchte diverse Filmparodien, u. a. zu Star Wars. Nach dem Zeichnen der Grafiken und des Storyboards haben Jens Endruschat (begnadeter Tontechniker - nochmals Danke) und ich an vier Sonntagen den 1 ½ minütigen Trickfilm Star Race gedreht. Zum Vergleich: Für eine einminütige Star Trek-Parodie hat eine Gruppe von Trekkies nach eigenen Angaben ein Jahr benötigt. Das liegt wohl auch daran, daß wir vollkommen ohne menschliche Schauspieler ausgekommen sind. An dieser Stelle möchte ich Petra danken, die die Zweckentfremdung ihres Wohnzimmers und lautes Geschrei ertragen mußte. Am 30.11.96 war es dann soweit: 0,9 Millionen Zuschauer durften sich an Star Race erfreuen (?).

Star Race jetzt anschauen

Download (1 MB Zip, mit Ton)